Langzeitbelichtung (en) sind meine heimliche Leidenschaft. Daher werde ich von Zeit zu Zeit mal was zu diesem Thema veröffentlichen, denn Langzeitbelichtungen findet ihr in der Nacht (Sternenbahnen oder auch Startrails genannt), zur „blauen“ Stunde, aber auch am Tage. Was ihr dabei beachten solltet, erfahrt ihr in diesem und in folgenden Beitrag/Beiträgen !

Heute möchte ich Euch ein paar Tipps zu Langzeitbelichtungen am Tage geben. „Langzeitbelichtung am Tage ? Das geht doch gar nicht – die Bilder sind doch dann überbelichtet ?!“ Nicht so ganz.. aber lest selbst:

Langzeitbelichtung am Tage

Ihr kennt sicherlich alle die Fotos, in denen Wolken am Himmel dynamisch auf den Betrachter zu ziehen, Bilder bei denen das Wasser wie Watte aussieht oder wo belebte Plätze plötzlich nahezu menschenleer erscheinen. Das alles ist keine Zauberei, sonder liegt an einem meiner liebsten Fotozubehör-Artikel:

Langzeitbelichtung

Der Graufilter (oder auch Neutraldichtefilter genannt)

Um solche Effekte (wie oben beschrieben) zu erzielen, benutze ich einen ND-Filter. Mein Lieblingsfilter ist der, der 10 Blendendstufen Licht „schluckt“. Dieser wird bei den verschiedenen Herstellern anders benannt. Bei einem heisst der Filter ND3, bei einem anderen ND1000 oder BigStopper. Wichtig ist nur, dass ihr darauf achtet, dass er ca. 10 Blendendstufen Licht schluckt, denn das heißt in der Praxis, dass ihr die Belichtungszeit ver1000facht ! Beispiel:

Ihr stellt Eure Kamera ausnahmsweise mal auf Automatik und macht ein Bild von Eurer Wunschlocation. Mal angenommen das Bild wurde nun bei Blende 8 mit 1/30 sec. aufgenommen. Wenn ihr nun den Filter verwendet könnt ihr 1000x solange belichten, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. In unserem Fall wäre das 1/30 x 1000 = 30 sec (als Faustregel). inzwischen gibt es auch eine App oder entsprechende Umrechnungstabellen, mit der ihr Euch den exakten Wert errechnen könnt. Aber mit der Faustregel liegt ihr schon immer ganz gut !

Langzeitbelichtung

Wo Licht ist, ist auch Schatten..

Den Vorteil der längeren Belichtungszeit habe ich Euch ja nun dargelegt. Allerdings gibt es auch einen Nachteil: Der Filter ist so dunkel (dicht), dass der Autofokus Eurer Kamera bei aufgeschraubtem Filter den Dienst verweigern wird. Ihr kommt also nicht umhin, zum einen ein Stativ zu verwenden.

Zum anderen müsst ihr die Kamera erst fokussieren lassen, dann die Kamera auf Manuellen Fokus stellen, den Filter anbringen, und dann ein entsprechend lang belichtetes Foto machen.

Da mir das mit einem Schraubfilter immer zu umständlich war, bin ich inzwischen auf ein Vorsatzsystem mit Rechteckfiltern umgestiegen. Das hat den Vorteil, ich brauche nur einen Filter/Filterhalter und kann diesen mittels Adapterringen auf jedem Objektiv nutzen. Die Montage ist mit einer Hand und innerhalb von Sekunden erledigt. Dazu sei mir etwas Schleichwerbung erlaubt: Ich nutzt hierzu den Filterhalter von TheFilterDude (ca.25 EUR) und den 10x10cm-ND-Filter von Lee (ca. 120 EUR).

Langzeitbelichtung

Grauverlaufsfilter

Der Vorteil meines Filterhalters ist, dass ich bis zu 3 Filtern gleichzeitig verwenden kann. Ich selbst nutze aber maximal 2 Filter, zum einen ist das der ND1000-Filter, zu anderem ab und an (bei Landschaftsaufnahmen) einen sogenannten Grauverlaufsfilter. Den erkennt man daran, dass der Filter einen linearen Verlauf von dunkel (oben) bis klar (unten) hat, wobei der eigentliche Verlauf auf die obere Hälfte begrenzt ist.

Der Grauverlaufsfilter kommt bei mir zusätzlich zum Einsatz, wenn der Kontrast des Himmels zum übrigen Motiv zu stark ist bzw. die Helligkeit evt. „ausfressen“ könnte. Dann dunkle ich den Himmel mit diesem Filter zusätzlich ab, so das eine schön ausgewogene Belichtung des gesamten Motivs möglich ist. Dazu schiebe ich den Anfang der schwarzen Zone des Filters einfach genau auf den Horizont.. das ist eigentlich schon alles.

Nachtrag

Es erreichte mich noch eine Frage eines Lesers, wieso denn ein belebter Platz menschenleer erscheinen kann. Nun ja..  Dadurch, dass ihr z.B. 30 sek. belichtet und den dunklen Filter kommt nur sehr wenig Licht auf den Sensor. Die richtige Belichtung kommt erst durch die lange Aufnahmezeit zustande.
Wenn nun ein Mensch den fotografierten Platz z.B. in 15 sek. überquert, erscheint er nicht (oder nur schemenhaft) auf dem Foto. Bliebe er allerdings auf einer Stelle stehen, so wird er auch auf dem Foto zu sehen sein.

Probiert es mal aus:
Sucht euch z.B. einen kleinen Platz und denkt euch einen Kreis, sagen wir mit 30m Durchmesser. Stellt Eure Kamera wie oben beschrieben ein (z.B. 30 sek,). Nun geht oder rennt ihr an der Kreislinie entlang auf die gegenüberliegende Seite. Hier bleibt ihr 15 sek. stehen und geht/rennt wieder an der Kreislinie zur Kamera zurück. Ihr werdet auf dem Foto nur an der Stelle erscheinen, an der ihr 15 sek. verweilt habt.. der Weg dorthin bzw. von dort weg wird nicht auf dem Bild zu sehen sein.

Ich hoffe, ich habe Euch die „Langzeitbelichtung am Tage“ etwas erklären können. Wenn ihr Fragen habt, schreibt diese einfach in die Kommentare, schickt mir eine E-Mail oder kontaktiert mich über Facebook !

 

 

 

 

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