Bereits in den ersten Beiträgen „LANGZEITBELICHTUNGEN – LEICHT GEMACHT“ und LANGZEITBELICHTUNG TEIL II und TEIL III habe ich Euch etwas über Langzeitbelichtungen am Tage, über Sonnenauf- und Untergänge sowie die „blaue Stunde“ und die Fotografie von Sternenbahnen, Milchstrasse und Feuerwerk erzählt. Im vierten und letzten Teil geht um das Thema LICHTMALEREI !

Wer mir schon länger folgt, der weiß, das ich oft in der Lichtmalerei unterwegs bin. Doch was ist „Lichtmalerei“ überhaupt. ich glaube Wikipedia beschreibt das ganz gut:

Lichtmalerei ist eine fotografische Technik aus der Langzeitbelichtung, in welcher Fotografien in der Regel bei Dunkelheit oder in abgedunkelten Räumen durch die Bewegung einer (oder mehrerer) Lichtquellen (oder durch Bewegung der Kamera) gemacht werden.

Lichtmalerei„Ghost“ ist mitten in der Nacht auf der Burg Vlotho entstanden. Zum Einsatz kam unser „Orb-Tool“, Glasfaserwedel, Lichtschläuche, Pixelstick und ein Totenschädel aus dem Mystik-Shop

Natürlich könnte ich einen ganzen Tag über dieses Thema referieren (das mache ich dann aber in meinen Workshops über dieses Thema). Aber ich möchte Euch dennoch anhand von Bildbeispielen einen Einblick in das Thema geben, in dem ich Euch die Vorraussetzungen, die Ideen hinter den Bildern und natürlich den grundsätzlichen Kameraeinstellungen näher bringe. Doch eins nach dem anderen:

Grundsätzliches

Laut Wikipedia kann ich entweder Lichtquellen vor der Kamera oder die Kamera selbst bewegen. Ich beschränke mich auf ersteres ! Die Kamera steht bei meinen Kompositionen immer auf einem Stativ (und wie wir bereits gelernt haben mit einem ausgeschalteten Bildstabilisator). Auch die „Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung“ schalte ich bei dieser Art der Fotografie generell aus, denn würde man diese Einstellung aktiviert lassen, so würde die Kamera zur Speicherung des Bildes genauso lange benötigen, wie ich belichtet habe; d.h. Belichtungszeit z.B. 30 Minuten, also auch Speicherzeit 30 Minuten = 1 Stunde „vergeudete Zeit“ !

LichtmalereiZum Einsatz kam unser „Orb-Tool“, wobei bei der Aufnahme des „Orbs“ der obere Bereich des Objektivs abgedunkelt wurde (Grauverlaufsfilter)

Bevor ich ein Foto mache, steht bei mir immer erst die Bildidee. Die arbeite ich vorher aus und suche mir dann (am Tage) eine passende Location. Manchmal ist es allerdings auch umgekehrt.. ich finde während einer Fototour eine geile Location und überlege mir dann eine passende Bildidee.

Steht diese Idee, suche ich aus meinem Fundus passende Lichtquellen zusammen. Als Lichtquellen kann alles, was leuchtet, dienen. Das sind herkömmlich oder spezielle Taschenlampen, es gehen aber auch Lichtschwerter aus dem Spielzeugladen, Leuchtstäbe aus dem 1-Euro-Shop oder selbst herkömmliche Fernbedienungen, die einen Infrarotseder haben… hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Inzwischen haben wir uns viele Lichtquellen selbst gebaut oder vorhandene modifiziert.. doch davon später mehr..

Lichtmalerei„Orb-Tool“, Pixelstick, Farbfolien vor dem Objektiv

Ein weiterer wichtiger Punkt: Lichtmalerei ist ein „Teamsport“, geht also nur mindestens zu zweit ! Denn einer muß die Kamera bedienen und der andere führt die Lichtkomposition durch !

Da die Fotos mehr oder weniger in völliger Dunkelheit entstehen (es sei denn es muß Umgebungslicht wie vorhandene Laternen o.ä. mit eingebunden werden) sind wir meist ins Herbst/Frühjahr unterwegs. Denn unsere Bildideen benötigen tw. 1-2 Stunden (oder mehr), bis wir die Ergebnisse als „zufriedenstellend“ bezeichnen können. Und in den Sommermonaten wird es erst um 11 Uhr abends dunkel.. also nicht viel Zeit, bis man morgens wieder arbeiten gehen muss.

LichtmalereiFarbfolien, Campingbesteck und Heißluftgebläse, Taschenlampe wurden bei diesem Bild benutzt

Aber kommen wir zu den Kameraeinstellungen.

Kameraeinstellungen

Das die Kamera generell auf einem Stativ steht (welches im Dunkeln natürlich mit einer Lichtquelle kenntlich gemacht wird, damit keiner die Konstruktion aus Versehen umrennt), der Bildstabilisator und die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen ausgeschaltet ist, hatte ich ja schon erwähnt.

Die Kamera steht generell im manuellen Modus (M). Die ISO-Einstellung steht auch hier meistens auf einem Wert von 100. Die Blende wähle ich wieder zwischen 8-16. Die Belichtungszeit steht aber dieses Mal auf „B“ (Bulb); d.h. der Verschluss bleibt solange geöffnet, wie der Auslöser gedrückt wird. Daher ist hier ein Kabelfernauslöser mit arretierter Auslöse-Taste unabdingbar !
Den Fokus stelle ich ebenfalls auf Manuell, fokussiere aber vor der Aufnahme auf die Stelle, wo der Hauptakt der Lichtmalerei stattfindet. Dazu stelle ich mich an die Stelle, wo ich bei der Aufführung auch stehe und lasse mich mit einer Taschenlampe anleuchten, damit der Fotograf auf mich „scharf“ stellen kann.

LichtmalereiGemeinschaftsprojekt der LPTWA mit ca. 30 Lightpaintern am Leuchtturm Obereversand

Nun kann es los gehen.
Der Fotograf hält z.B. eine schwarze Pappe, einen Objektivdeckel oder einen anderen lichtundurchlässigen Gegenstand vor die Objektivlinse, löst den Fernauslöser aus und arretiert diesen. Durch die Abdeckung kommt ja noch kein Licht auf den Sensor.
„Und AUF“, dieses Kommando gebe ich, sobald ich mit der Aufführung beginne. Dabei nimmt der Fotograf das Objekt vor dem Objektiv weg.
Bin ich mit meiner Aufführung fertig, so folgt das Kommando „Und ZU“; das Objektiv wird wieder verdunkelt, der Verschluss bleibt aber weiterhin geöffnet. So habe ich die Möglichkeit, die Lichtquelle zu wechseln und ein weiteres Element dem Foto hinzuzufügen. Die beiden Kommandos wechseln so lange ab, bis ich meine Komposition komplett fertig aufgeführt habe. das letzte Kommando heißt dann „Und SCHLUSS“. Dann kann der Fernauslöser „entriegelt“ werden und der Verschluss geht somit wieder zu. Das Foto ist im Kasten. So können auch mal Belichtungszeiten von mehreren Minuten bis zu 30 Minuten entstehen ! Auf dem Display erscheint nun die hoffentlich perfekte Lichtmalerei !

Hier noch ein paar Impressionen:

LichtmalereiIm Wasserpark Reden mit Taschenlampe, Farbfolien, „Orb-Tool“ und Pixelstick unterwegs

LichtmalereiMosesgang im Wasserpark Reden (Taschenlampe, Farbfolien, Pixelstick)

LichtmalereiTaschenlampe, Farbfolien im neuen Autotunnel in Bad Oeynhausen

LichtmalereiPixelstick war hier das einzige Tool, was wir in einem Tunnel in Osnabrück verwendet haben.

LichtmalereiPixelstick, Taschenlampe in einem alten Eisenbahntunnel in Herford

Lichtmalerei„Orb-Tool“, Taschenlampen, Farbfolien in einem alten Speicher in Vlotho

LichtmalereiDisco-Laser, Gardinenstangen mit Partylichtern bestückt, Farbstäbe ins Mindener Dom 

LichtmalereiDiscolaser im Mindener Dom

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Natürlich könnt ihr uns auch ansprechen, wenn ihr Fragen zur Lichtmalerei habt oder mal einen Grund- oder Praxisworkshop bei mir besuchen wollt !

 

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